Liebe Parkettfreunde
wer einen frisch geschliffenen Boden vor sich hat oder gerade ein neues Parkett auswählt, steht früher oder später vor derselben Frage: ölen, lackieren oder wachsen? Drei Wege, drei sehr unterschiedliche Ergebnisse - sowohl im Aussehen als auch im Alltag.
Wir wollen Euch in diesem Beitrag durch alle drei Varianten führen, Vor- und Nachteile ehrlich nebeneinanderstellen und Euch am Ende eine klare Empfehlung mitgeben, welche Behandlung zu welcher Wohnsituation passt.
Geöltes Parkett - Natürlichkeit mit Pflegeaufwand
Beim Ölen dringt das Behandlungsmittel tief in das Holz ein. Es verschließt die Poren nicht, sondern setzt sich im Inneren ab und härtet dort aus. Das Ergebnis: eine offenporige, atmungsaktive Oberfläche, die die Maserung und die Farbtiefe des Holzes betont. Ein geölter Boden fühlt sich warm an, wirkt lebendig und entwickelt im Lauf der Jahre eine natürliche Patina. Die passende Routine dazu steht in der Anleitung geöltes Parkett pflegen.
Vorteile:
- Die natürliche Optik des Holzes kommt zur Geltung - kein Plastik-Look
- Das Holz atmet und reguliert die Raumluftfeuchte mit
- Partielle Reparatur möglich - eine matte Stelle wird einfach nachgeölt, ohne dass die ganze Fläche neu behandelt werden muss
- Bei guter Pflege ein Leben lang renovierbar
- Angenehme, warme Haptik
Nachteile:
- Höherer Pflegeaufwand als bei einer Versiegelung - alle vier bis fünf Reinigungen wird ein Refresher eingesetzt
- Empfindlicher gegen Flecken
- Wasserempfindlicher als ein versiegelter Boden - stehende Pfützen sollten zügig abgenommen werden
Versiegeltes Parkett - Schutz auf der Oberfläche
Eine Versiegelung - meist ein Wassersiegel - bildet eine geschlossene Lackschicht auf dem Holz. Auf der Oberfläche bleibt eine harte, geschlossene Beschichtung, die Schmutz und Wasser am Eindringen hindert. Reinigung und Pflege für diese Oberfläche erklärt der Ratgeber versiegeltes Parkett reinigen und pflegen.
Vorteile:
- Sehr pflegeleicht - feucht wischen reicht meist aus
- Hohe Belastbarkeit, gerade in stark frequentierten Räumen wie Flur, Küche oder Büro
- Wasser perlt ab - Verschüttetes ist kein Sofortschaden
- Hygienisch dicht, was bei Allergikern und Familien mit Kleinkindern geschätzt wird
- Verschiedene Glanzgrade möglich, von matt bis hochglänzend
Nachteile:
- Kein partielles Ausbessern - bei Lackschäden muss die ganze Fläche abgeschliffen und neu versiegelt werden
- Mit den Jahren entstehen Mikrokratzer, die die Oberfläche stumpfer werden lassen - das ist kein Versagen, sondern Verschleiß
- Das Holz atmet nicht, wirkt manchmal etwas kühler in der Anmutung
- Bei Mikrorissen im Lack kann Feuchtigkeit eindringen, die das Holz unter der Schicht schädigt - schwer zu erkennen, bevor es zu spät ist
- Bei Fußbodenheizung weniger ideal, weil die geschlossene Schicht das Holz an den Feuchteschwankungen stärker spannt
Gewachstes Parkett - der dritte, etwas vergessene Weg
Wachs war jahrhundertelang die Standard-Behandlung für Holzböden, ist aber heute weitgehend von Öl und Lack verdrängt worden.
Beim Wachsen wird in der Regel zunächst geölt (Grundbehandlung), anschließend mit einem Hartwachs oder Naturwachs versiegelt. Das Wachs legt sich oben auf das Holz, polymerisiert dort und bildet eine seidig schimmernde, leicht reparable Oberfläche.
Vorteile:
- Sehr warmes, samtiges Trittgefühl - kein Holzboden fühlt sich so weich an wie ein frisch gewachster
- Reparatur ist denkbar einfach - eine Stelle nachwachsen, leicht polieren, fertig
- Natürliche, antistatische Wirkung - Staub haftet weniger
Nachteile:
- Weicher als ein lackierter Boden, empfindlicher gegen Druckstellen
- Wasserempfindlicher als beide anderen Varianten - bei häufigem Wasserkontakt nicht empfehlenswert
- Regelmäßiges Aufpolieren nötig, um den Glanz zu halten
- Bei zu viel Wachsauftrag kann die Oberfläche klebrig wirken
Geeignete Hölzer: vor allem Hartholz, das nicht durch das weichere Wachs zusätzlich gefährdet wird - Eiche, Räuchereiche, Nussbaum.
Direktvergleich
| Kriterium | Geölt | Versiegelt | Gewachst |
|---|---|---|---|
| Optik | Natürlich, warm | Glatt, eher künstlich, verschiedene Glanzstufen möglich | Seidig, leicht patiniert |
| Trittgefühl | Warm, natürlich | Etwas kühler | Sehr warm, samtig |
| Pflegeaufwand | Mittel | Gering | Mittel bis hoch |
| Wasserbeständigkeit | Mittel | Hoch | Gering |
| Partielle Reparatur | Ja | Nein | Ja |
| Renovierbarkeit | Mehrfach abschleifbar | Mehrfach abschleifbar | Mehrfach abschleifbar |
| Geeignet für Fußbodenheizung | Sehr gut | Mit Einschränkungen | Bedingt |
| Atmungsaktiv | Ja | Nein | Bedingt |
| Bestes Einsatzgebiet | Wohn- und Schlafräume | Flur, Küche, Büro | Repräsentative Räume |
Ich hoffe, ich konnte Euch mit diesem Vergleich ein wenig Klarheit ins Thema bringen. Falls Ihr nach dem Lesen weiterhin unschlüssig seid: Bei den meisten Wohnsituationen liegt man mit einem geölten Boden nicht falsch. Er ist der vielseitigste der drei Wege, am natürlichsten in der Anmutung und in der Pflege gut beherrschbar, wenn man die richtigen Mittel hat.
Natürlich sollte man im Vorfeld die Vor- und Nachteile der Behandlungsmethoden abwägen, aber im Grunde sollte der Parkettboden gefallen!
Bis zum nächsten Blogbeitrag verbleibe ich mit den besten Wünschen. Alles Gute für Euch und natürlich für Euren Parkettboden.
Euer Diddi